Die »Große Katastrophe« prägt im Jahr 2039 das globale Lebensgefühl und die Regeln des Miteinanders. Die Welt ist zerrissen in Stadt- und Nationalstaaten sowie autonome, »dezivilisierte« Regionen. Totalitäre Regime sind nicht mehr der Ausnahmefall sondern die Regel. Den arabischen Raum teilen sich mehrere Kalifate.

Überall wird zugunsten der Vermeidung weiterer Katastrophen die Freiheit der Bürger massiv eingeschränkt. Grenzverletzungen werden drakonisch bestraft. Der bewohnbare Lebensraum ist kleiner geworden. Landstriche sind verseucht, Überschwemmungen und Dürre haben einstmals besiedelte Regionen entvölkert. Der Verteilungskampf führt immer wieder zu (Bürger-) Kriegen und zu Annexion und Verlust fruchtbarer Gebiete. Wegen der modernen Technologien, der angespannten Weltlage und der aufgelösten Staatenbünde ist Deglobalisierung zum Trend geworden. Die Waren und Güter werden nicht mehr in Billiglohnländern sondern in stadtnahen, zumeist riesigen 3D-Drucker-Komplexen hergestellt.

Mauer

Auch in Berlin sind die Bürgerrechte stark eingeschränkt. Die Landflucht im Zuge der Großen Katastrophe hat die Bevölkerungszahl der Stadt explodieren lassen. Trotzdem herrscht auf Grund moderner Differenzierungsmodelle weitgehend Vollbeschäftigung. Viele Menschen leben als authentische Statisten in den Themenstädten »Mauerberlin« und »Wilhelminisches Viertel«. Das Märkische Viertel ist der weltweit führende 3D-Drucker-Park und bewirkt im Zusammenspiel mit der Startup-Stadt »iBerlin« trotz der Krisen nie dagewesene Prosperität.

Die Gesetzgebung wird von der Staatssoftware »Der Algorithmus« gesteuert und von einem Rat umgesetzt. Die Demokratie besteht nur noch in der Theorie. Die Angst vor einer neuen »Großen Katastrophe«, Terror und Invasion sowie die umfangreiche Medienaufklärung der Staatssender verhindern Aufstände. Andersdenkende werden in das von einem hohen Zaun umgebene Märkischen Viertel oder die Außenkolonie verbannt. Normalberliner wissen um ihre privilegierte Rolle und belassen es beim Motzen. Der Staat investiert Unsummen in die Zerstreuung, durch den Tourismus erlebt Berlin weitere Blütephasen. Den meisten Menschen geht es zu gut, um gefährliche Fragen zu stellen.

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