Ihr habt es dem letzten Blogartikel entnehmen können: Als (post-)moderner Indie-Autor nimmt man viele Rollen ein und läuft immer Gefahr, sich zu verzetteln. In vielerlei Hinsicht ist man alleine und zu allem gibt es Meinungen. Nicht auf sie zu hören, ist ebenso riskant wie ihnen zu folgen. Der Juristenspruch trifft es wieder einmal: »Es kommt darauf an!« Worauf? Auch das kommt darauf an. Und so weiter. Man kommt denkend nicht weiter, man muss handeln. Man muss es riskieren, Fehler zu machen und man macht sie, um aus Erfahrungen sich einen Weg zu bauen, auf dem man Sicherheit gewinnt.
ABER (und auch das habe ich im letzten Artikel besprochen) man macht auch vieles richtig. Es ist gefährlich sich selbstgenügsam auf die Schulter zu klopfen, aber es ist ebenso gefährlich, das Positive wegzudrängen, weil es einen vielleicht genügsam machen könnte. Ich neige dazu, das Positive beiseite zu schieben, aber ich tue mir damit keinen Gefallen. Auch das hatten wir.
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Die Rückmeldungen zu »Nächte der Toten« sind allgemein super. Heute hat Elyseo aber auf seinem Blog das Buch in einer Weise besprochen, die mich sehr gerührt hat. Bücher wie »Nächte der Toten« oder »Stunde der Rache« herauszubringen, ist ein einsamer Kampf. Man gibt tausende Euro aus und verbringt damit Jahre. Ohne Gewissheiten begibt man sich in diese Wüste, weil man nicht anders kann. Weil etwas in einem wieder will und man nicht anders kann als ihm zu folgen.
Der Gegenwind war rau und stetig. Erst erzählten mir die Verlage, dass das zwar alles toll und Talent da ist, es sich aber nicht verkaufen wird, weil es nicht in die Schubladen passt. Dann kommen die Bestseller-Kollegen und sagen, dass man mit den Produkten seiner Leidenschaften nie irgendwo ankommen wird und der Markt einen zur sklavischen Befolgung bestehender Formatregeln zwingt. Freunde glauben an einen und loben den Mut, aber wenn der Erfolg ausbleibt, werden auch sie ruhiger.
Das Besondere hat es schwer, so war der beliebteste Tenor. Ich habe mich dagegen gestemmt, ich wollte daran nicht glauben, weil ich auch nicht in einer Welt leben wollte, in der das gilt. Ich habe dann erfahren müssen, wie schwierig und aufreibend es tatsächlich ist, abseits der ausgetretenen Wege zu gehen. Irgendwann habe auch ich daran geglaubt, dass ausgefallene Dinge und Konzepte einem das Genick brechen können und habe diese Welt, die mich begeistert hat, immer mehr versteckt in Klappentexten und sonstiger Promo.
Als ich Elyseos Text gelesen habe, fand ich diese ganze durchgeknallte Szenerie meiner Thriller auf einmal wieder so faszinierend, wie am Anfang. Ich konnte »meine Welt« durch seine Augen sehen und irgendetwas hat sich in mir gelöst. Ich konnte wieder stolz auf das Verrückte sein, das ich erschaffen habe. Auf die Gangsterwelten und Fantastereien. Auf das gespenstisch (Un-)Absurde einer möglichen nahen Zukunft.
Ob das alles wirklich visionär und schlau ist, wie man seinen Worten entnehmen könnte, glaube ich nicht. Ich habe ein Gespür für Entwicklungen und Szenarien entwickelt und mich von meiner Faszination leiten lassen. Ich habe Dinge, die mich beschäftigen, kreativ verarbeitet und dachte, etwas Besonderes geschaffen zu haben. Das schien sich zu bewahrheiten, aber lange Zeit wirkte es so, als ob dieses Besondere eher versteckt werden müsste. Vielleicht sollte ich damit langsam wieder aufhören.

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