Ich bin schon eine Weile zurück im Berliner Alltag, möchte Euch aber ein paar Eindrücke geben.

Schreibbüro im Morgengrauen auf der Dachterasse

Ausflug mit Klettertour an den Hippiestrand GuiGui

Auf dem Gipfel

Schreiben und Wache schieben

Schreiben unter Palmen (nach Sonnenaufgang)

Schreiben vor Palmen (kurz vor Sonnenuntergang)

Wie ihr seht, war ich fleißig. Ich habe meinen neuen Thriller (dessen erste Fassung ich kurz vorher abgeschlossen hatte) einmal komplett durchgearbeitet. Ich schreibe »durchgearbeitet«, weil ich über so wenig Negatives gestolpert bin, dass ich gar nicht viel umschmeißen musste. Jetzt geht der Text Stück für Stück zu den Testlesern und meinem Lektor. Die ersten Rückmeldungen sind sehr gut, aber irgendwer wird mir (zum Glück) schon noch ordentlich die Ohren lang ziehen.

Surfen am Playa del Inglés

Am Strand war ich auch jeden Tag. Ich bin kilometerweit geschwommen und habe über mein Leben nachgedacht. Dazu habe ich meinem kleinen Sohn die Angst vor den Wellen genommen und zum ersten Mal Ferien im Familienkontext gemacht. Es ging nicht ohne Herausforderungen, aber der Kleine ist richtig aufgeblüht.

Es war schön dort. Ich mochte Hitze und ich mochte das fremde, trockene Land (weniger die Golfplätze, die mitten im Nichts rund um die Uhr bewässert wurden) mit seinen Palmen und Kakteen, Bananen- und Mango-Plantagen. Es hat mir große Freude gemacht, Spanisch zu sprechen und Wellenreiten zu gehen. Ich hatte lange keine Gelegenheit, aus dem Alltag und dem »deutschen Korsett« auszubrechen. Der Urlaub hat mich an das Leben erinnert, dass ich mir einmal für mein Schreiberling-Dasein erträumt habe: Ungebunden schreiben, in ferne Ländern fahren, recherchieren und sich inspirieren lassen. Die Welt sehen und Welten erschaffen. Die Realität ist (noch) bedeutend anders, als es der Traum wollte. So ist es wohl immer, aber ein Stück weit konnte ich wieder an diesen Träumen schnuppern. Das hat gut getan.

***

Damit wir den Bogen wieder zur Literatur schlagen, poste ich unten ein Kapitel aus einem Buch, das ich am Anfang des Jahres begonnen habe. Ich habe es komplett durchgeplotet und die ersten Kapitel geschrieben, dann aber das Gefühl gehabt, dass es zu politisch ist. Das Buch sollte meine Version eines »normalen Thrillers« sein, der nicht notwendigerweise auf dem Markt wieder gegen alle Winde segeln muss. Ich wollte und will mich nicht verbiegen (und habe das hoffentlich auch nicht), aber ich musste zur Kenntnis nehmen, dass ich mit den Metropolis-Büchern längst nicht so weit gekommen bin, wie erhofft. Es sollte zum Gipfel gehen und ich habe es wenn überhaupt zum Basislager geschafft. Daher wollte ich einen anderen Weg ausprobieren und habe schon im Krankenhaus mit »Operation Gomorra« begonnen. Weil ich das Gefühl hatte, dass politische Themen die Leute abschrecken und das Buch zu nahe an Metropolis war, bin ich einen Schritt zurück gegangen und habe eine Buch davor gesetzt. Dieses Buch geht gerade auf die Zielgerade. Ich kann es leider nicht beim Namen nennen, weil ich bisher nur einen unpassenden Arbeitstitel habe. Das kommt hoffentlich bald noch.

Grundpositiv wie ich bin, habe ich zwischendrin gedacht, dass ich Operation Gomorra (keine Angst: nur ein Arbeitstitel) nie fertig schreiben werde, weil es scheiße ist. Heute habe ich es noch einmal in die Hand genommen und fand es sehr roh (ist es ja auch), aber ziemlich erfrischend. Es spielt in Paris und Marokko. Da Marokko auch geographisch zu Gran Canaria passt, erlaube ich mir mal diesen verwirrenden Vorgucker 😉

Bis bald!

2. (2a) „Der Sperber fliegt, der Sperber tötet“

21. September 2017

Rabat

Rue des Council, in der Nähe des Europol-Hauptquartiers 

22.47 Uhr

Trotz der fortgeschrittenen Stunde war das Treiben auf dem Souk in der Rue des Council in Rabats Old Town noch bemerkenswert. Touristen feilschten an Ständen und in Nischen. Zum Klang einer Oud aus einem nahen Restaurant wuselten die Händler um unentschlossene Passanten herum. Eine leichte Seebrise vom nahen Plage de Rabat verwehte den Bratgeruch am Imbissstand, an dem Agent Malloy auf sein Kefta-Sandwich wartete.

Obwohl er neu in der Stadt war, kannte er die Medina von Old Town schon sehr gut. Das inoffizielle Büro von Europols neuer Anti-Terror-Einheit war um die Ecke in der Rue Souika gelegen und der Markt um die Rue des Councils war einer der angenehmsten in der ganzen Stadt. Malloy war zu lange in der arabischen Welt stationiert, als dass er seine amerikanischen Rituale hätte aufrechterhalten können. Nur ab und zu gönnte er sich Burger in einem der Diners, den Rest der Zeit nahm er mit den simpleren Varianten des Landesessens vorlieb.

Obwohl er nicht einmal den Mund aufzumachen brauchte, um immer noch von den meisten Marokkanern sofort als Amerikaner erkannt zu werden, hatte ihn sein Dienst beim CIA stark verändert. Die Zeit in der Fremde hatten aus ihm einen Patrioten ohne Heimat gemacht, der in den unübersichtlichen Kämpfen im Irak und in Syrien den letzten Rest seiner Seele verkauft und doch nie aufgegeben hatte, dafür mit mutigen Taten, um Vergebung zu bitten.

Er hatte früher keine Energie darauf verwendet, den christlichen Hardliner zu verbergen, aber er war der Reibungen müde. Sein Selbstbild war lange vor der unehrenhaften Entlassung aus der CIA in die Krise gekommen. Auf den von schwarzen Rußwolken vernebelten Grauzonen der irakischen Ölfelder und den Ruinen der syrischen Städte waren ihm schlicht die moralischen Postulate ausgegangen.

Auch wenn er die Europäer immer noch für von Regularien verstopfte Pfeifen hielt, war Malloy dankbar für sden Neuanfang unter anderer Flagge. Sein Job bei der Anti-Terror-Einheit von Europol sah sogar vor, dass er sich unters Volk mischen und als Leisetreter versuchen sollte. Wie das gehen sollte, war ihm schleierhaft, aber er war bereit, es zu versuchen. Er war bereit, vieles anders zu machen.

Der Marokkaner am Grill hatte Oberarme wie Arnold Schwarzenegger. Bisher hatte er ihn freundlich behandelt, obwohl auch er ganz offensichtlich nicht nur den Amerikaner, sondern den Agenten in ihm erkannt hatte. Als zum wiederholten Male Polizeisirenen von der Avenue Al Marsa zu ihnen herüber hallten, sah er Malloy scharf an. Der zuckte nur mit den Achseln. Er wusste nicht, woran der Marokkaner sein besonderes Profil erahnt hatte und warum er davon ausging, dass Malloy ihm erklären konnte, warum die Sirenen in den letzten Minuten so geballt erklungen waren. Eigentlich hatte der Mann Recht mit seinen Ansprüchen, aber die Dinge liefen nicht rund. Europol war, verglichen mit der CIA ahnungslos wie die Heilsarmee. Selbst mit ihren armseligen Ressourcen hätte er allerdings davon erfahren sollen, wenn etwas anstand.

Sein junger Kollege Noah Siem stand in ständiger Kommunikation mit den anderen Dependancen. Er saß die ganze Zeit vor den Bildschirmen, hatte bisher aber keine verdächtigen Aktivitäten feststellen oder Hinweise abgreifen können. Der IS war trotz der freundlichen ideologischen Schützenhilfe des neuen US-Präsidenten auf dem ganzen nordafrikanischen Kontinent immer noch im Rückzug begriffen und in einigen Regionen bereits im Untergrund verschwunden.

Marokko war in dieser Hinsicht nie Zentrum gewesen, aber das Land hatte dem IS ebenfalls viele Kämpfer gestellt. Dass die internationale Koalition dabei zu sein schien, den IS zu besiegen, bedeutete für Marokko, dass viele in ihr Land zurückkehren und entwurzelt im Verborgenen auf neue Missionen warteten. Die Nähe zu Europa bedingte dabei eine erhöhte Terrorgefahr für europäische Länder. Wenigstens sagten ihre Quellen, dass der IS Marokko zum Drehkreuz auserkoren hatte, von dem aus er Kämpfer in die Metropolen der europäischen Kreuzzügler schickte, um den Krieg dort neu zu entfachen, wenn er an anderer Stelle kurz pausieren musste.

Angeblich gab es einen mysteriösen Mann, der sich Der Sperber nannte und der den Heimkehrern nicht nur neue Identitäten und Unterschlupf gewährte, sondern auch ihre Missionen koordinierte. Auf der Landkarte der Prioritäten war diese Entwicklung bei Europol so hoch angesiedelt worden, dass sie die ersten Mitglieder ihrer geheimen Anti-Terror-Einheit nach Rabat entsandt hatte.

Dass ihrer Mission die demokratische Legitimation fehlte, hatte sich bisher nicht als Problem erweisen. Sie waren noch nicht sichtbar in Erscheinung getreten waren, hatten daher Konflikte vermieden, andererseits aber noch keine Ermittlungserfolge zu verzeichnen. Spuren des Sperbers hatten sie erste recht nicht gefunden. An der Angst der Leute hatten sie gemerkt, dass er existierte. Die Details, die sie einigen Kontakten entlockt hatten, waren aber so offensichtlich Lügen gewesen, dass sie ihnen nicht einmal nachgegangen waren.

Stattdessen hatte sich der junge Kollege Siem vor seinen Monitoren verschanzt und Chat-Protokolle und Foren ausgewertet. Malloy hatte seine Elefantenhaut trainiert und darüber sinniert, wie klug der Karrieresprung für ihn gewesen war, wenn die Stoßkraft der EU für eine Stadt wie Rabat gerade einmal zwei Leute umfasste und 50 % davon eine Brillenschlange mit Seitenscheitel war, die in jedem Squash-Club eine gute Figur abgegeben hätte, aber für den Dienst im Felde maximal ungeeignet war.

Vor lauter Langeweile hatte Malloy sich vor einer halben Stunde entschieden, den Gutmenschen zu geben und Essen für beide zu holen, einen Falafel für den Veganer Siem und zwei extra scharfe Kefta-Sandwiches für Malloy. Der kantige Agent plante nicht, dem Jungen den Hintern zu pudern. Da er aber der einzige Kollege in diesem verlorenen Spiel war, war er im Zweifel der Einzige, auf den Malloy sich verlassen konnte und da wollte er sich für ein Quäntchen guten Willen nun wahrlich nicht lumpen lassen.

Der Mann am Grill hatte den Falafel fertig, brauchte aber extralange für Malloys Fleischladungen, weil er sich hauptsächlich darauf fokussierte, ihn anzustarren. Wenn der Typ die Finger weiter mit diesem Blick unter dem Ladentisch ließ, blieb Malloy nichts anderes übrig, als seine Hand in Richtung der Glock in seinem Gürtel zu bewegen. Eine neue Polizeisirene klärte die Situation. Sie entlockte dem Mann nicht nur einen Stoß arabischer Flüche, sondern löste ihn aus seiner Starre. Ohne Malloy eines weiteren Blickes zu würdigen, klöppelte er lieblos die Sandwiches zusammen und entließ ihn mit einer herablassenden Handbewegung und einem wohl gesetzten arabischen Schimpfwort.

Malloy hatte sich an die Haltung gewöhnt, dass den Amerikanern die ganze Schuld für den islamistischen Terror aufgebürdet wurde. Er fand solche Ansichten in Zeiten, in denen die Russen sich ebenso sehr befleißigten, an der Seite von profitablen Tyrannen Krankenhäuser zu bombardieren, und Franzosen und Briten auch ganz offiziell keine postkolonialen Lämmer mehr waren, etwas einseitig. Das Leben war eben doch keine Ponyfarm.

Wenn es nach Malloy ginge, könnten alle gern ihr eigenes Blut von den Fingern waschen. Wenn er als Sündenbock für Terrortote herhalten sollte, hatte er damit auch kein Problem. Seine Katharsis dafür waren seit jeher tote Terroristen gewesen und ihm fehlte die Fantasie dafür, was sich jemals daran ändern sollte. Auch Europol konnte die Regeln dieses perfiden asymmetrischen Kriegs nicht verändern. Das Einzige, was die Europäer anders produzieren konnten, waren zahnlose Methoden und keine toten Terroristen. Das führte aber sicherlich nicht zu weniger Terrortoten in Europa und konnte daher nur eine Zwischenstufe in der globalen Hysterieeskalation sein.

Malloy warf dem Grill-Arnie in der Nische einen letzten Blick zu und durchschritt den grob gezimmerten Torbogen. Er ließ einen Eselskarren passieren, sah drei euphorischen Hippie-Schwedinnen auf den Hintern und entfernte sich in Richtung Rue Souika. Ihr Büro lag im ersten Stock eines Hinterhauses. Die arabisch verzierte Wohnungstür sollte eine Tarnung sein, aber wahrscheinlich ahnten die Nachbarn ebenso wie der Mann auf dem Souk, welcher Art ihr Aufenthalt war. Malloy sollte es egal sein. Solange er der Einzige war, der mit zwei Knarren im Holster die Steintreppen hinaufging, durften alle so feindselig gucken, wie sie wollten.

Der Wohnbereich im ersten Raum war wie immer leer und penibel aufgeräumt. Siem hatte während Malloys Abwesenheit sogar ihre Kaffeetassen in die Spüle gestellt. Es war ein Phänomen, dass der Junge es kaum schaffte, seinen Wachplatz an den Monitoren für taktische Toilettengänge zu verlassen, aber immer Zeit fand, um Malloy mit gezielten Ordnungstaten ein Gefühl für amerikanische Schlampigkeit zu verpassen.

Malloy überlegte, ob er Siems Vogelfutter doch lieber aus dem Fenster in den Hof schmeißen sollte. Dann nahm er all sein Zen-Potential zusammen und trat in den zweiten Raum, der von zwei Arbeitsplätzen mit mehreren Monitoren ganz ausgefüllt war. An der Wand umlagerten Steckbriefe von Gefährdern aus europäischen Städten mit Pfeilen zu ihren potentiellen Kontaktmännern ein leeres Profil vom Sperber.

Siems Gesicht war reglos und blass. Der Junge war so versunken, dass Malloy sich nicht einmal sicher war, ob er ihn gehört hatte. Malloy respektierte den Ansatz von Europol, das Schakal-Image der CIA durch Diversität und Förderung alternativer Agentenprofile zu umgehen. Dass sie allerdings einem verdienten Haudegen wie Malloy so einen Wassertreter an die Seite stellten, ging über seinen Verstand.

Malloy zwang sich, den Gedanken eine Pause zu gönnen, und atmete durch. Warnend räusperte er sich und stellte den Falafel auf den Beistelltisch neben Siems penibel aufgeräumtem Arbeitsplatz.

»Iss mal was Junge«, murmelte er, obwohl er wusste, dass Siem die Augen nicht von den Bildschirmen lösen würde, wenn er auf diese Weise fokussiert war. Malloy trat neben ihn und ließ seinen Blick über die Berichte und Fotos schweifen. »Draußen waren jede Menge Sirenen. Klang nach ner größeren Sache, vielleicht sogar einem Anschlag. Irgendetwas gefunden, was dazu passt?«

»Nicht wirklich«, antwortete Siem und hielt den Blick auf die Bildschirme gerichtet. »Im wesentlichen nur Ärger in einer Bar. Anscheinend wurden zwei Männer als homosexuell denunziert und verhaftet.«

»Muslim-Business as usual«, erwiderte Malloy und machte sich über sein Sandwich her.

»In der realen Welt, nicht«, antwortet Siem spitz. »In Marokko passiert so etwas kaum noch. Außerdem war einer der Verhafteten ein Polizist und das wird für Wirbel sorgen. Es war auch von einer Razzia die Rede, aber niemand wusste Genaues und über den Polizeifunk lief nichts. Sieht nach einer Geheimoperation aus. Ich denke, über so etwas hätten wir auch ohne meine Initiative Kenntnis erlangen sollen.«

Malloy leckte sich Knoblauchsoße von den Fingern und ordnete die lieblose Koexistenz von Gemüse und Fleisch im Sandwich neu.

»Wir sollten eigentlich über jeden Furz in dieser Stadt schnell informiert werden«, entgegnete er.  »Wird spannend sein zu sehen, wann Polizeichef Al-Fasi endlich die Spielchen lässt und aufhört, uns wie Mistkröten außen vor zu lassen.«

Siem verzog die Stirn, vermied es aber weiterhin, den Kollegen anzusehen.

»Wir wären eventuell schon längst keine Mistkröten mehr, wenn du es dir hättest verkneifen können, beim letzten Empfang deinen Islamisten-Witz zu erzählen.«

»Humor ist, wenn man trotzdem lacht«, mampfte Malloy unbeeindruckt.

»Nicht für die«, zischte Siem. »Das war eine Beleidigung und du kannst von Glück sagen, dass niemand dich denunziert hat. Mach das nie wieder! Respekt ist denen wichtig und mir auch. Wir haben eine Mission und die kann keiner von uns erfüllen, wenn er in den Folterkellern vor der Stadt oder sonstwo endet. Und dann auch noch völlig zu Recht.«

Malloy schmiss das fettige Papier an Siem vorbei und verfehlte den Papierkorb plangemäß nur knapp. Er wusste selbst, dass er sich bei einem solchen Anlass oder generell in der Öffentlichkeit nicht derart gehen lassen durfte, aber er war sternhagelvoll gewesen. Natürlich hätte er sich nicht derart betrinken dürfen, aber irgendwo musste der Frust hin. Wenn man wegen nichts schon unehrenhaft aus der CIA entlassen worden und das ganze Leben unter einem weggebrochen war, blieb Kollateralschaden nicht aus. Zudem pfiff er gehörig auf Folterdrohungen ebenso wie auf falschen Respekt gegenüber den Kameltreibern. Ihre Mission konnten sie nicht erfüllen, wenn sie in einer schlecht versteckten Einsatzzentrale Moralpakete wälzten. Da war in der Nase bohren produktiver.

»Irgendetwas Neues vom Sperber?«, lenkte er das Gespräch auf neutraleres Terrain.

Siem drückte ein paar Tasten und vertiefte sich in eine Liste mit Suchergebnissen. Bevor er antworten konnte, leuchtete eine Nachricht rot in einem Chatfenster auf.

Schnell trat Malloy näher. Er konnte genug arabisch, um das Wort Sperber zu identifizieren, den Rest verstand er nicht.

»Was steht da, verdammt?«

Siem gab weitere Suchbefehle ein. Wie immer hatte er die Bedeutung sofort erkannt und wie immer ließ er Malloy zappeln. Als er genug gewartet hatte, lehnte er sich zurück.

»Der Sperber fliegt, der Sperber tötet.«

»Was soll das, ein Code, oder was?«

»Wahrscheinlich«, antwortete Siem und beugte sich nachdenklich vor. Malloy trat noch näher und wies auf die Karte.

»Und das kam von dort? So viel ich weiß, ist dort eine Moschee, die ganz oben auf der Roten Liste steht.«

»Ja, und es kommt noch besser. Die Nachricht wurde von einem Prepaid-Handy abgeschickt, das wir Adnan Hayali zugeordnet haben. Einem Mann, der mit Gefährden u.a. in Paris in Verbindung stand.«

Malloy wartete nicht, bis Siem seine Jacke und seine Sachen zusammengeklaubt hatte, sondern eilte zur Garage im Hinterhof. Sobald Siem die Autotür geschlossen hatte, gab er Gas. Hupend jagte er durch den Torweg zur Straße und erntete seinerseits ein Hupkonzert, als er ohne Rücksicht auf Verluste auf die Rue de Souika einbog.

Siem klammerte sich an den Griff und verzichtete darauf, sich nach dem Gurt zu recken.

»Du musst gar nicht so rasen.«

Malloy nahm eine rote Ampel und bog rechts ab.

»Ach ja, und warum nicht?«

Siem fischte nun doch nach dem Anschnaller.

»Weil die Razzia, von der die Rede war, sicherlich dort stattfindet und wir somit eh zu spät kommen werden.»

»Du meinst, der Typ hat den letzten Moment vor seiner Verhaftung genutzt, um die Nachricht abzusetzen und die anderen damit zu warnen?«

»Oder um etwas in Gang zu setzen, was auf sein Kommando gewartet hat.«

»Ein Grund mehr, Gas zu geben«, knurrte Malloy und bog wild um die Ecke, um danach noch wilder abzubremsen. Eine Militärsperre blockierte die Straße, überall waren Militärs und Polizisten. Gewehre richteten sich auf sie, während sie betont langsam die Arme hoben.

 

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